Vom Wunder einer Mini-Pause

Letztens leuchtete in unserem Auto die Kontroll-Lampe ‚Motorstörung‘ auf. Klarerweise macht so eine Anzeige relativ schnell nervös, noch dazu wo wir das letzte Auto wegen defektem Motor verkauft haben.
Ich rief unsere Werkstätte an, bei der ich üblicherweise prompt einen Termin bekomme, aber mir wurde mitgeteilt, dass ich das Auto erst in einer Woche bringen kann. Beim Anruf in der nächsten Fachwerkstätte – ich wurde mindestens dreimal weiter verbunden – erfuhr ich, dass der nächste freie Reparatur-Termin in zwei Monaten ist. Mein Unmut stieg. Ich brauche das Auto!
Bevor ich den nächsten Anlauf nahm, wartete ich kurz ab und checkte meine Emails. Ausgerechnet jetzt bekam ich eines, wo ein Vortrags-Text urgiert wurde, an dem ich schon länger herumfeilte und ich mich nicht entscheiden konnte. Ich dachte eigentlich, ich hätte noch etwas Zeit dafür und diese Anfrage setzte mich leicht unter Druck – und ich wollte ich nicht als unzuverlässig dastehen. Meine Kinder nervten und stritten und der Tag, der friedlich begann, wurde immer mühsamer.
Mein Gedankenkarussell begann einen Zahn zuzulegen und in meinem Körper machten sich eine ungute Spannung und Druck breit. Es ratterte: Ich brauche dringend einen Termin fürs Auto … Die Reparatur ist sicher super teuer … Ständig ist was mit dem Motor … Was ist, wenn der Autokauf vor einem halben Jahr doch nicht gut war … Ich hätte das Auto schon vor einiger Zeit zum Service bringen sollen … Weil ich immer alles aufschiebe … Was, wenn er denkt, ich bin unzuverlässig, weil ich den Text noch nicht fertig habe  … Was, wenn der Text nicht gut ankommt … Ich bin selber schuld …. Was wird er wohl überhaupt von mir denken … Meine Kinder sind wieder mal unmöglich … Mein Herz begann schneller zu klopfen, mein Atem wurde kurz, ich wurde immer unfreundlicher zu mir und den anderen … ein Gewitter braute sich zusammen!!
Instinktiv setzte ich mich eine Minute hin, begann ein paar Akupunkturpunkte aus der Klopfakupressur zu klopfen und atmete. Plötzlich hörte ich in mir aufsteigen: ‚Es ist nichts Schlimmes passiert! Wir können ein paar Tage öffentlich fahren.‘ Oh JAA! Das stimmt, es ist nicht wirklich ein Problem für die kommende Woche!  Ich kann freundlich auf das Email antworten und den fertigen Text für übermorgen ankündigen. Dann muss ich mich wenigstens entscheiden und kann ihn noch mit meiner Kollegin abstimmen.
Es ist nichts Schlimmes passiert! Es ist nichts Schlimmes passiert! Ich begann das, wie ein Mantra vor mir herzusagen, nahm einen tiefen Atemzug, klopfte noch eine Runde und rief die nächste Werkstätte an. Ein super freundlicher Mechaniker hob an und ich erklärte ihm das Motor-Dilemma. Er beruhigte mich, weil speziell diese Motor-Leuchte nichts Schlimmes anzeigte und ich auf jeden Fall noch weiter fahren konnte. Er hatte zwar keinen raschen Termin für mich, aber ich konnte nun den in einer Woche bei meiner Werkstätte nehmen. Das wäre ohnehin die beste Lösung.
Am Nachmittag nahm ich mir Zeit für den Text und bemerkte, dass dieser gar nicht so umfangreich sein sollte wie ich dachte. Ich hatte ihn in zehn Minuten gekürzt und ein paar Stunden später rief meine Kollegin an und wir fanden gemeinsam eine gute letzte Version. Ich konnte noch alles am gleichen Abend verschicken.
Meine Kinder hatten sich beruhigt und waren den ganzen Tag relativ friedlich. Sie lernten sogar freiwillig für ihre Schularbeiten. 😉
Es ist nichts Schlimmes passiert!! Eine Mini-Pause kann die Wahrnehmung  und den ganzen Tag verändern …

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